17/08/2026 0 Kommentare
Geistliches Wort
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# Geistliches Wort

Geistliches Wort
Mit großer Freude und Dankbarkeit feiern wir im Oktober das 75 - jährige Bestehen unserer Pfarrgemeinde. Bis dahin wird auch die Renovierung der Stirnseite unserer Friedenskirche abgeschlossen sein. Seit nunmehr 22 Jahren gehören meine Frau und ich dazu. Wir sind sehr dankbar darüber, dass wir so liebevoll aufgenommen wurden und unseren Platz im Miteinander der evangelischen Christen im westlichen Weinviertel gefunden haben.
Doch was macht Gemeinde eigentlich aus? Was ist ihr größter Schatz?
Bei der Beantwortung dieser Frage hat mir eine Geschichte geholfen, die sich im dritten Jahrhundert nach Christus zugetragen hat: Die junge Christenheit war trotz aller Hindernisse dabei aufzublühen. Immer noch wurden von Zeit zu Zeit Christen im römischen Reich verfolgt. Es gab Kaiser, die sich selbst vergötterten und die Verehrung durch ihre Untertanen erwarteten. Demgegenüber waren die Menschen in der Nachfolge Jesu überzeugt, dass Gott eben deshalb Mensch wurde, dass wir das Menschsein lernen und einüben und uns nicht aus eigener Kraft in den Himmel hieven müssen.
Damals wurde in Rom ein junger Mann namens Laurentius zum Diakon geweiht. Er betreute im Auftrag der christlichen Gemeinde die Bedürftigen, verteilte Kleidung, Essen und Almosen unter ihnen und besuchte die Kranken und Gefangenen. Im Jahre 258 erließ der römische Kaiser Valerian eine Anordnung, die es den Christen verbot, in Jesu Namen Gottesdienste abzuhalten. Gleichzeitig forderte er, neben den römischen Göttern auch ihn als Gott zu verehren. Als der Bischof von Rom sich weigerte das zu tun, kam er ins Gefängnis und starb schließlich den Märtyrertod.
Zuvor hatte er noch Laurentius mit der Verwaltung des Kirchenvermögens betraut. Als der Kaiser vom Schatz der Kirche hörte, verlangte er von Laurentius ihm diesen auszuhändigen. Das tat Laurentius nicht. Statt dessen verteilte er die Gaben unter den Bedürftigen in der Gemeinde und der Stadt. Doch was sollte er nun dem Kaiser bringen, der auf den Schatz der Kirche wartete?
Unter Laurentius Führung marschierte schließlich eine bunte Gesellschaft in den kaiserlichen Palast: Frauen und Männer, Junge und Alte, kranke und behinderte Menschen. Der Kaiser tobte. Doch Laurentius ließ sich nicht beirren: "Das ist der wahre Schatz unserer christlichen Gemeinde", sagte er zum Kaiser. "Heller noch als alles Gold, nach dem du so gierst, strahlt in ihren Herzen der Glanz des Glaubens. Höre und staune, lerne und glaube!" Sein Mut kostete Laurentius schließlich das Leben.
Wie ist das bei uns? Was ist der Schatz unserer Pfarrgemeinde?
Die Menschen, die Gottes Liebe erfahren haben, deren Glaube immer wieder den Zweifel besiegt. Die Menschen, die Trost und Hoffnung, Zuwendung und Lebenshilfe in der Gemeinschaft mit anderen suchen und spenden.
Der Schatz unserer Pfarrgemeinde sind die Kinder. Sie sollen das Wunder des Gottvertrauens einmal weitertragen, wenn wir nicht mehr sind. Sie sollen spüren, dass sie im Leben willkommen sind, sie sollen mit uns und durch uns Leben und Lieben lernen.
Der Schatz unserer Pfarrgemeinde sind unsere Alten und Kranken; sie haben das Gottvertrauen hochgehalten und für uns gebetet, als wir noch nicht beten konnten. Sie erinnern uns an die Vergänglichkeit des Lebens und helfen uns, die Prioritäten im Leben richtig zu setzen.
Der Schatz unserer Pfarrgemeinde sind auch die Menschen in der Mitte des Lebens, die einen Lebensraum suchen, in dem sie mit ihren schönen und schwierigen Erlebnissen und Fragen Ruhe und Orientierung finden.
Der Schatz unserer Kirchengemeinde sind schließlich auch die Einsamen, die Gefangenen, die Zweifelnden und die Kritiker. Sie gehören zu uns. Mit ihnen und an ihnen bewährt sich unsere Menschlichkeit und unser Glaube. Vergessen wir nicht:
Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi.
In diesem Vertrauen feiern wir am 18. Oktober fröhlich unser Jubiläum und gehen unseren Weg mit Gott weiter, bis er uns ans Ziel bringt!
Einen fröhlichen Herbst wünscht Euch
Euer Pfarrer Christian Brost
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