18/05/2026 0 Kommentare
Das Licht in der Dunkelheit
Das Licht in der Dunkelheit
# Veranstaltungen

Das Licht in der Dunkelheit
Ostern 2026, erlebt von Johannes Stritzl
Was bewegt jemanden, seinen Nachtschlaf um 03:00 Uhr früh zu unterbrechen und sich – vielleicht sogar mit der ganzen Familie – auf den Weg zum Osternachtsgottesdienst zu machen?
Als ich in meinem Bekanntenkreis ein wenig Werbung für diese besondere Feier machte, erntete ich spätestens bei der Erwähnung der Uhrzeit ungläubige Blicke, manchmal sogar ein mildes, abschätziges Lächeln. Und ich begann mich zu fragen: Ist meine Vorfreude auf diesen Gottesdienst in der „Nacht der Nächte“ vielleicht schon Frömmelei?
Ich habe darüber nachgedacht, was die Osternacht für mich so besonders macht. Ein Teil der Antwort liegt sicher in der äußeren Gestaltung der Feier. Der Eintritt in die dunkle (und doch warme) Kirche, die Stille, die noch dichter wirkt als sonst – all das schafft Raum, um anzukommen und sich innerlich einzustimmen.
Aus dieser Stille heraus erklingen die Lesungen des ersten Testaments. Von der Schöpfung an spannen sie – bereits ausgerichtet auf die frohe Botschaft Jesu – einen großen Erzählbogen. Gleichzeitig wird die Kirche Schritt für Schritt heller, Kerze für Kerze.
Geleitet durch die ruhige und sichere Moderation von Christian Brost und getragen vom eindrucksvollen Orgelspiel von Melitta Ebenbauer entfaltet sich eine dichte Atmosphäre. Ich kann es kaum anders sagen: Selten fällt es mir so leicht zu glauben wie in dem Moment, wenn das Halleluja der Gemeinde erklingt, wenn jeder seine entzündete Kerze in der Hand hält und Kirche als lebendige Gemeinschaft erfahrbar wird.
Ein anderer Teil der Antwort kommt von innen – und ist schwerer zu greifen. Es ist wohl das bewusste „Sich-Einlassen“ auf diese Nacht. Die Bereitschaft, das Wunder der Auferstehung nicht nur zu hören, sondern es im eigenen Leben Wirklichkeit werden zu lassen.
Sogar jetzt noch, beim Schreiben dieser Zeilen, kann ich dieses Gefühl aus Hoffnung und Zuversicht noch immer in mir spüren, obwohl die Osternacht schon wieder etwas zurückliegt. Diese alten Texte erzählen von Gottes Handeln – und zugleich sprechen sie in unsere Gegenwart. Sie führen hin zu der einen Botschaft: Dass das Leben stärker ist als der Tod.
Vielleicht ist es genau das, was Menschen dazu bewegt, um drei Uhr früh aufzustehen. Nach dem schönen Gottesdienst beim anschließenden, köstlichen Frühstück im Gemeindesaal beisammenzusitzen und zu wissen, dass mitten in der Dunkelheit ein Licht aufgeht. Und dass dieses Licht bleibt.
Johannes Stritzl
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