13/08/2026 0 Kommentare
75 Jahre Pfarrgemeinde Stockerau - ein Rückblick in eine andere Zeit
75 Jahre Pfarrgemeinde Stockerau - ein Rückblick in eine andere Zeit
# Geschichte

75 Jahre Pfarrgemeinde Stockerau - ein Rückblick in eine andere Zeit
75 Jahre Pfarrgemeinde Stockerau - ein Rückblick in eine andere Zeit
In den Gemeindenachrichten der Pfarrgemeinde Stockerau, 2. Jahrgang, 1. Folge vom 1.1.1952 ist über das Jahr 1951 zu lesen:
1951, ein Jahr schwerer Katastrophen und Unfälle, war für unsere Stockerauer Gemeinde ein Jahr des Segens.
Wir wollen Gott für dieses Jahr danken.
Ein Wunsch vieler evangelischer Stockerauer, das Streben des Stockerauer Presbyteriums seit Jahren hat seine Erfüllung gefunden. Stockerau ist in diesem Jahr selbstständige Pfarrgemeinde geworden und durfte am 1. Advent des neuen Kirchenjahres die Amtseinführung seines ersten Pfarrers feiern. Damit ist der neue Abschnitt in der Geschichte unserer Gemeinde begonnen. Eine Zeit der Vorbereitung hat ihren Abschluss gefunden, eine Zeit der Arbeit am Wort Gottes hat begonnen. Lasst uns das merken. Wir haben keine Zeit auf der Arbeit unserer Vorarbeiter auszuruhen. Gott hat uns mit diesem neuen Auftrag eine große Verpflichtung auferlegt. Nicht nur Presbyterium und Pfarrer, sondern der ganzen Gemeinde. Die Aufgabe weiter zu bauen und zu säen. Denken wir nur 30 Jahre zurück, dann finden wir unsere heutige Gemeinde noch von der Pfarre Floridsdorf betreut. Vor 25 Jahren wurde Korneuburg selbstständig und sein erster Pfarrer in der Person des Herrn Pfarrer Spindler gewählt. Dieser hatte den Riesensprengel der Bezirke Korneuburg, Hollabrunn, Laa und Teile Mistelbachs zu betreuen. Dann begann sich in völlig neuem evangelischen Gebiet durch die stets rege Arbeit seines damaligen Kurators, des Herrn Dr. Liptak, in Laa eine evangelische Gemeinde zu bilden. Aus schwachen Anfängen wurde eine lebendige und heute schöne große Gemeinde, Laa an der Thaya. Der Streifen längs der tschechischen Grenze wurde so von Korneuburg abgetrennt. Bald aber regte man sich hier in Stockerau. Auch hier wollte man mehr evangelisches Leben haben und so kam es neuerlich zur Verselbstständigung eines großen Gebietes. Wo wird die nächste Pfarrgemeinde in diesem Gebiet sein? Manche Ansätze weisen in eine ganz bestimmte Gegend, noch werden aber Jahre vergehen, bis es soweit ist. Möge uns Gott in dieser Arbeit segnen und sein reines Evangelium wachsen lassen.
Inspirierende Aufbruchstimmung
Mir gefällt die Aufbruchsstimmung, die hier deutlich wird. Auch wenn damals Wachstum aufgrund steigender Mitgliederzahlen im Vordergrund stand, ist die „Arbeit am Wort Gottes“ doch das Ziel und der Kern. Vieles ist seitdem geschehen – ich denke beispielsweise an die Aufarbeitung der Geschichte der Friedenskirche in Stockerau, an den Kirchenbau in Hollabrunn, den Erwerb der Kirche in Spillern, die inzwischen orthodox genutzt wird, oder den Wechsel der Superintendenz nach Niederösterreich. Wir sind inzwischen eine Pfarrgemeinde A.u.H.B. geworden.
Aber was gleich geblieben ist, ist die Begleitung der Menschen auf ihrem Weg mit Gott durch das Leben. Wie unsere Vorfahren versuchen auch wir heute, Menschen Orientierung und Unterstützung zu bieten, indem wir einander das Evangelium predigen. Das Erzählen von Gott, der Austausch über unsere Erfahrungen mit dem Leben, der Liebe und den Veränderungen, die letztlich in Gott Erfüllung finden werden – das macht Pfarrgemeinde aus. Das Helfen, das wohlwollende Einsetzen unserer Talente und Fähigkeiten für andere und für alle, das Spenden, die Bewusstseinsbildung – das macht Pfarrgemeinde aus. Die Gemeinschaft, das Feiern und das Trauern, das Singen und das Beten, das Meditieren und das Gestalten, die Feier des Abendmahls im Gottesdienst – das macht Pfarrgemeinde aus.
Wir leben heute in Zeiten der sinkenden Mitgliederzahlen. Wir denken heute nicht mehr darüber nach, wo eine neue Pfarrgemeinde entstehen könnte, sondern welche Pfarrgemeinden zusammen gelegt werden müssen oder doch enger zusammen arbeiten sollten. Dennoch sind wir vielleicht mehr denn je dazu berufen, Gemeinde zu sein.
Lasst uns feiern!
Lasst uns unsere Botschaft vom Frieden Gottes, von Ehrlichkeit, Offenheit und Liebe leben!
Kurator Gert Lauermann
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