23/03/2026 0 Kommentare
Jahreslosung 2026
Jahreslosung 2026
# Geistliches Wort

Jahreslosung 2026
Ein erster Blick auf die Jahreslosung 2026 kann irritieren.
Siehe, ich mache alles neu!
Das erinnert mich persönlich an ein Wahlplakat, einen Werbespot oder den Beginn einer kriminellen Machenschaft. Alles neu machen, alles besser machen, vermutlich auch noch schnell und einfach – also ich wäre hier erst einmal vorsichtig. Das klingt doch sehr plakativ und nach Bauernfängerei. Aber getreu der Jahreslosung 2025
Prüft alles und behaltet das Gute!
möchte ich die diesjährige Jahreslosung doch nicht so einfach beiseiteschieben…. Vielleicht hält sie ja noch ein paar Überraschungen bereit!
Da wäre zum Beispiel die Frage, wer denn hinter diesem „Ich“ steckt, wer solche großspurigen Ankündigungen macht. Die Antwort finden wir - wie so oft - im Originaltext, der Offb 21,5:
Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss!
Gott selbst ist es also, der diese Worte spricht. Und er meint es ernst – die Worte gelten wahrhaftig und gewiss. Das hätte ich mir ja eigentlich denken können – Gott spricht diese Worte, natürlich, wer sonst! Von Gott sind wir ja so manche Hammeraussagen gewöhnt. Da wäre zum Beispiel der Satz:
Ihr seid das Licht der Welt,
den Jesus in der Bergpredigt spricht. Also ich persönlich fühle mich nicht als Licht der Welt, eher als Lichtlein in einer ziemlich verdreckten und ramponierten Laterne. Auch dieser Satz steht nicht allein, er erhält seine Bedeutung nur durch den, der ihn spricht.
Also wenn Gott selbst spricht, dass er alles neu machen wird, dann will ich das natürlich sehr ernst nehmen. Aber was will Gott eigentlich neu machen? Um das herauszufinden, werfen wir wieder einen Blick in den Text. Im nachfolgenden Vers 6 heißt es:
Und er sagte zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich werde dem Dürstenden von der Quelle des Lebenswassers zu trinken geben, umsonst.
Damit wird in der Offenbarung der Bogen von der Schöpfung der Welt bis zu deren Ende gespannt. Am Ende der Zeiten wird Gott seine Herrlichkeit in der Welt aufrichten und alle Völker werden zu ihm kommen. Seit vielen Jahrhunderten sehnen Menschen diese Zeit herbei, um die Welt endlich von Krieg und Leid, Tod und Zerstörung, Krankheit und Ungerechtigkeit zu befreien. Die Menschen haben erkannt, dass die endgültige Überwindung dieser Übel nicht durch die Menschen erfolgen kann, sondern nur durch den Schöpfer der Welt selbst.
Aber bis es so weit ist, sind wir Menschen aufgefordert, das Reich Gottes zumindest partiell in die Welt zu bringen. O.K., fragt sich nur, wie wir das machen sollen. Im Evangelium nach Matthäus heißt es:
Meister, welches ist das höchste Gebot im Gesetz? Jesus aber sprach zu ihm: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«. Dies ist das höchste und erste Gebot. Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
Mit einfacheren Worten also: Kümmert euch um gute Beziehungen! Kümmert euch um eine gute Beziehung zu Gott und zu seiner Schöpfung, um eine gute Beziehung zu den Nächsten und zu euch selbst. Wenn Gott mir die Kraft gibt, diese Beziehungen zu befördern und zu leben, dann werden diese Beziehungen wachsen, sie werden trag-fähig und auch sprach-fähig werden. Neu-werden bedeutet dann, mit mir selbst, mit meinem Nächsten und mit Gott in ein gutes Gespräch zu kommen. Und ein gutes Gespräch besteht im sorgsamen Zuhören, im Mitfühlen und Bedenken und im verantworteten Sprechen oder Beten. Wir können nicht davon ausgehen, dass Gott im heurigen Jahr wiederkommen wird. In diesem Fall würde tatsächlich alles fundamental neu gemacht werden. Aber unabhängig davon sind wir als Christen beauftragt, jeden Tag daran zu arbeiten, mit Gott und der Welt besser ins Gespräch zu kommen – und das bedeutet in erster Linie, an meiner eigenen Barmherzigkeit und Liebesbereitschaft zu arbeiten. Vielleicht werde ich dann auch tatsächlich zu einem helleren Licht in der Welt.
Armin Aigner
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