18/05/2026 0 Kommentare
Des Kaisers neue Kleider
Des Kaisers neue Kleider
# Geistliches Wort

Des Kaisers neue Kleider
Es war einmal ein Kaiser, der immer die schönsten Kleider trug und dafür viel Geld ausgab. Er liebte es, bewundert zu werden. Eines Tages baten zwei clevere Händler um eine Audienz. Sie schwärmten dem Kaiser vor, sie hätten für ihn wunderbare Kleider.
Aber in Wirklichkeit existierten diese nur in der Phantasie der Verkäufer.
Die Beiden verkauften diese Phantasiekleider so geschickt dem eitlen Herrscher, dass der schließlich vor seinem Riesenspiegel stand und die neuen Kleider bestaunte, während er in Wahrheit pudelnackt war. Die ganze Geschichte wäre hier zu Ende gewesen, hätte der Kaiser nicht beschlossen die neuen Kleider seinen Untertanen zu zeigen – alle Welt sollte sehen, wie hübsch er war! Spätestens jetzt hätte der ganze Schwindel auffliegen müssen. Doch die Untertanen bestaunten die neuen Kleider und riefen laut: O Himmel, wie unvergleichlich schön sind doch des Kaisers neue Kleider. Doch hinter vorgehaltener Hand spotteten sie und sagten: der Kaiser ist verrückt!
Ein Kind machte schließlich dem Spuk schließlich ein Ende indem es - ganz nach Kinderart - ungeniert die Wahrheit sagte: Aber der hat ja gar nichts an!
Des Kaisers neue Kleider gibt es nicht nur im Märchen, liebe Leserinnen und Leser!
In unserer Konsumgesellschaft werden - wie im Märchen - Träume und Illusionen verkauft. In der Welt des schönen Scheins werden Menschen so hochgeputscht und aufgeblasen, dass man meint, sie wären Wunder was. Erst wenn sie in der Psychiatrie, im Gefängnis oder im Exil landen, wird sichtbar, dass sich hinter dem schönen Schein kein schönes Sein verborgen hat, sondern Angst, Hilflosigkeit, Selbstsucht und Sehnsucht.
Lassen wir uns nicht blenden. So nackig brauchen wir nicht durchs Leben zu gehen.
Für uns liegen Kleider bereit, die der Apostel Paulus in einem seiner Briefe so beschreibt:
Gott hat euch als seine Heiligen erwählt, denen er seine Liebe schenkt. Darum legt fröhlich das neue Gewand an. Es besteht aus herzlichem Erbarmen, Güte, Demut, Freundlichkeit und Geduld. Ertragt euch gegenseitig und vergebt einander, wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat. Wie der Herr euch vergeben hat, so sollt auch ihr vergeben! Vor allem aber bekleidet euch mit der Liebe. Sie ist das Band, das euch zu erfüllendem Miteinander zusammenschließt. Der Friede, den Christus schenkt, lenke eure Herzen. Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Singt Gott dankbar in euren Herzen. Handelt so, wie ihr es von Jesus gelernt habt und bedankt euch auf diese Weise bei Gott, der euch das Leben schenkt.
Gott lässt sich vom äußeren Schein nicht blenden. Für ihn ist es wichtig, wie es in unseren Herzen aussieht! Deshalb hält er neue Gewandung für uns bereit und freut sich, wenn wir bereit sind sie anzunehmen und hineinzuschlüpfen. Ganz ehrlich - was soll schon schiefgehen, wenn wir uns an Christus orientieren und herzliches Erbarmen, Demut und Geduld einüben und dabei Neid, Eifersucht und Missgunst verlernen? Bestenfalls werden wir mit der Zeit zu Menschen, in deren Nähe sich andere gerne aufhalten, weil sie spüren: Sa meint es einer oder eine gut mit mir. Wenn der oder die mich anblickt, fühle ich mich nicht nackt, sondern schön. Oder: da begegnet mir jemand, der der Versuchung widersteht, mich ungefragt zu be- oder verurteilen – das tut gut!
Lasst uns das neue Kleid des Gottvertrauens überstreifen und miteinander und mit Gottes Hilfe einüben, was wirklich zählt im Leben: Barmherzigkeit, Vergebung, Geduld und Liebe. Nichts brauchen wir und braucht unsere kleine wie auch die große Welt nötiger!
Einen schönen Sommer im neuen Gewand wünscht
Pfarrer Christian Brost
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