08/08/2024 0 Kommentare
Löwenzahn-Herz
Löwenzahn-Herz
# Gott & die Welt

Löwenzahn-Herz
Wie starten wir ins Neue Jahr?
Mutmachworte von Dr.in Maria Katharina Moser, Direktorin der Diakonie
Das Jahr ist noch jung. Doch die Zuversicht, dass es ein gutes und friedliches Jahr sein wird, ist ein zartes Pflänzchen. Die Krise dauert an. Gerade überrollt sie uns wieder mit einer gewaltigen Welle. Niemand weiß, welche Wellen uns noch bevorstehen. Auch Konflikte schwappen über uns hinweg, erfassen Teams, Freundschaften, Familien. Das ‚Neu-durchstarten‘, das sich viele zum Jahreswechsel vorgenommen haben, fällt heuer schwer. Der Elan scheint zu fehlen. Wie also starten im Neuen Jahr?
Zwei Dinge wünsche ich Ihnen dafür: Langmut und ein Löwenzahn-Herz.
„Die Liebe ist langmütig und freundlich“, heißt es im bekannten Hohelied der Liebe im 1. Brief des Apostel Paulus an die Korinther, „sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.“ Die Langmut ist eine Tugend, die aus der Liebe kommt. Einer Liebe, die so fest und gefestigt ist, dass sie Geduld üben kann. Geduld üben, das heißt nicht nur warten können, das heißt vor allem aushalten. Krisenhafte Situationen, in denen wir an die Grenzen unserer Handlungsmacht kommen, aushalten – in der Langmut verbinden sich Kraft und Geduld. Und andere Menschen, deren Denken und Handeln mir fremd ist, aushalten – in der Langmut verbinden sich Geduld und Duldung. Für dieses Aushalten braucht es ein Löwenzahnherz.
Wer ein Löwenzahn-Herz hat, der schaut einen Löwenzahn an und sieht nicht Unkraut, sondern Gottes gute Schöpfung: Blätter, die man essen kann, eine strahlend gelbe Blüte, die sich verwandelt in eine weiße Kugel mit kleinen Samen-Schirmchen, die der Wind oder ein Kinder-Pusten sanft durch die Lüfte schweben lässt. Wer ein Löwenzahn-Herz hat, schaut andere Menschen an und sieht nicht ein Problem, sondern Gottes Geschöpf. Wer ein Löwenzahn-Herz hat, mag die Menschen, auch wenn sie schwierig sind.
In der Lage zu sein, in allen Menschen Gottes Kinder zu sehen und in allen Dingen Gottes wunderbare Schöpfung, das ist das erste, was ein Löwenzahnherz auszeichnet. Das zweite ist Kraft. Ein Löwenzahn-Herz haben heißt, sich nicht unterkriegen lassen. Wie der Löwenzahn, der an den unmöglichsten Stellen wächst, sogar durch den Asphalt, mit schier unbändiger Lebenskraft. Das wünsche ich Ihnen für alle Herausforderungen, die vor Ihnen liegen: dass Sie in sich Langmut spüren und ein Löwenzahn-Herz, das kräftig schlägt.
Maria Katharina Moser
Kurzer Lebenslauf:
Pfarrerin Dr.in Maria Katharina Moser ist seit September 2018 Direktorin der Diakonie Österreich. Davor war sie Pfarrerin in Wien-Simmering und wissenschaftliche Referentin am Institut für öffentliche Theologie und Ethik der Diakonie. Sie blickt auf langjährige Berufserfahrung im Religionsjournalismus als Redakteurin beim ORF sowie in universitärer Forschung und Lehre und Erwachsenenbildung zurück. Dr.in Moser studierte Theologie in Wien und Interkulturelle Frauenforschung in Manila.
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